Juergen Winkler bei der Besichtigung von landwirtschaftlichen Betrieben

Landwirtschaft ist mehr wert.

Am Dienstag, den 12.1.2016, protestierten im ganzen Land Bauern gegen ihre Existenzbedrohung durch ruinöse Fleischpreise. In  diesen Tagen habe ich verschiedene  landwirtschaftliche Betriebe besucht.

Betrieb 1: Ein ackerbaulich geprägter Betrieb im  Kraichgau

Der Betrieb betreibt v.a. Ackerbau mit der Hauptkultur Kartoffeln sowie einen Hofladen an der Durchgangsstraße mit einem großen exklusiven Sortiment. Im Gespräch mit der Betriebsleiterfamilie wurde deutlich, dass in Baden Württemberg erfolgreich Landwirtschaft betrieben werden kann, obwohl oder vielleicht gerade weil sehr viele kritische Mitbürger hohe Ansprüche an unsere Landwirtschaftliche Produktion stellen. Dieses Interesse an der Erhaltung unserer gemeinsamen Lebensgrundlagen  versucht die Landesregierung mit der gezielten Förderung von regionaler Produktion und strengen Vorgaben zusammenzuführen. Denn nur wenn breite Bevölkerungsschichten diesen Zusammenhang erkennen, hat Landwirtschaft, unterstützt durch staatliche Fördergelder als auch den bewussten Einkauf erkennbarer regionaler Produkte, eine Zukunft.

So ist es für diese Familie selbstverständlich, zuversichtlich in die Zukunft zu schauen, und die nächste Generation steht bereits in den Startlöchern, um den erfolgreichen Weg des Betriebes engagiert fortzusetzen.

Betrieb 2:Demeterhof der Familie Heinrich in Obrigheim

Der Betrieb wirtschaftet seit mehr als 30 Jahren biologisch und auch auf diesem Betrieb sieht die nächste Generation Entwicklungsmöglichkeiten. Neben einem engagierten Gemüseanbau auch unter Glas gibt es auf dem Hof eine bunte Tierhaltung. Dem Betriebsleiter Jürgen Heinrich ist es schon immer ein Anliegen, auch die schlecht bewirtschaftbaren Flächen des Neckartals z.B. durch Beweidung mit Schafen oder Rindern offen zu halten und zu pflegen. Das selbsterzeugte Gemüse und Fleisch wird zusammen mit weiteren Produkten im eigenen Hofladen sowie auf Marktständen direkt verkauft. Gesprächsthema waren auf diesem Hof auch die weiteren Potentiale, die sich gerade auch im Bio-Fleischbereich noch bieten.

Juergen Winkler bei der Besichtigung von landwirtschaftlichen Betrieben

Ich habe auf diesen beiden Betrieben zwei Konzepte kennengelernt, die als Landwirtschaft in Baden-Württemberg weiter Zukunft haben werden. Die Probleme am Fleischmarkt kann die Landespolitik nur bedingt beeinflussen. Der Ansatz, einheimische Produktion sowie höhere Qualitäten zu fördern und am Markt klar erkennbar zu machen, ist aber ein wichtiger Beitrag. Deshalb fordere ich einen konsequenten Verzicht auf Gentechnik auch im Futterbereich, das bringt eine automatische Förderung des heimischen Eiweißanbaus und  einen gewissen Außenschutz mit sich,  außerdem verschafft es unseren regionalen Kunden einen eindeutigen Mehrwert. Zusätzlich brauchen wir auch im Fleischbereich eine eindeutige und verständliche Kennzeichnung wie bei den Eiern. Es muss erkennbar sein, welches Schwein auf dem Biobetrieb nur Biofutter gefressen hat, welches Schwein großzügig untergebracht war Stroh zur Beschäftigung und zum Liegen hatte und ohne Gentechnik gefüttert wurde, und welches auf geringerem Raum ohne Stroh aufgewachsen ist. Es würden also nur 3 bis 4 Ziffern reichen, um dem Verbraucher eine Entscheidungsorientierung  für mehr Umweltschutz und mehr Tierwohl an die Hand zu geben.

Konsequent umgesetzte Maßnahmen in diesem Bereich werden die derzeitigen Probleme nicht von heute auf morgen lösen, aber sie sind Voraussetzung für weitere Perspektiven auch in schweinehaltenden Betrieben.

Verwandte Artikel