Juergen Winkler fuer mehr OEPNV

Mobilität

Nachhaltige Verkehrspolitik und die Zabergäubahn
Am vergangenen Mittwoch, den 9. Dezember 2015, hatte der grüne Landtagskandidat Jürgen Winkler zu einer verkehrspolitischen Veranstaltung nach Zaberfeld ins Café Stromberghof eingela-den. Der Bundestagsabgeordnete der Grünen Matthias Gastel, der VCD-Vorsitzende in der Region Hans-Martin Sauter und er Güglinger Busunternehmer Thomas Ernesti diskutierten mit ihm vor etwa 40 Besuchern, wie nachhaltige Verkehrspolitik auszusehen hat und welche Rolle dabei die Zabergäubahn spielen kann.

MdB Gastel stellte eingangs fest, dass gerade im Verkehr noch ein großer Nachholbedarf sei, was die CO2-Emmissionen anbelange. Während der CO2-Ausstoß im Energiesektor gesunken sei, bleibe er im Verkehrsbereich seit Jahren auf gleichhohem Niveau. Zwar seien die Autos sparsamer geworden, aber dafür sei die Zahl der Kraftfahrzeuge ständig gestiegen. Von daher sei ein attraktiver Ausbau des Öffentlichen Personennachverkehrs unabdingbar. „Dort wo der Takt stimmt und die Haltestellen am richtigen Platz sind, wird das Angebot auch angenommen“, stellte der Abgeordnete fest. Er führte mehrere Beispiele an, wo sich das Passagieraufkommen durch die Verlagerung des ÖPNV auf die Schiene und die Reaktivierung stillgelegter Trassen vervielfacht, ja mehr als verzehnfacht hat. Zudem müsse es mehr Möglichkeiten geben, dass Radfahrer ihr Rad auch im ÖPNV mitnehmen können. Ge-fragt sei aber nicht nur die öffentliche Hand, sondern auch private Unternehmen könnten dazu bei-tragen, dass die Mitarbeiter nicht mehr (allein) mit dem PKW zur Arbeit fahren. Als Beispiel nannte er die baden-württembergische Firma Vaude.

Dass deutlich mehr Verkehr von der Straße geholt werden muss, war auch für Hans-Martin Sauter vom VCD klar: „Die Straßen im Raum Stuttgart sind völlig überlastet.“ Aber die Schiene, so fügte er hinzu, sei mehr oder weniger auch an ihren Kapazitätsgrenzen angelangt und deutlich unterfinan-ziert. Hart ging er mit dem Landkreis ins Gericht, der den ÖPNV ohne umfassendes Konzept und ohne entsprechende Reserven geplant habe und plane. Die Stadt Heilbronn kritisierte er ebenfalls, denn mit dem BUGA-Gelände werde eine „1A-Industrielage mit Anschluss an Straße, Schiene und Wasser“ für eine Gartenschau verwendet und dafür in den Böllinger Höfen ein Industriegebiet geschaffen, das fernab vom Hafen liegt und nie Bahnanschluss haben wird. Lob gab es hingegen von ihm für Ver-kehrsminister Winne Hermann, der für den Schienenverkehr einen hervorragenden Abschluss ausge-handelt habe. Dass dabei die Bahn AG nicht zum Zug gekommen sei, wundere ihn als früheren Bahn-Mitarbeiter nicht, tue sich dort doch nach der Privatisierung ein riesiges Kompetenzenchaos auf. Vieles laufe bei der Bahn in die falsche Richtung, so z.B. dass der Fokus vor allem auf dem Fernver-kehr liege. Auch könne es nicht angehen, dass im Schienengüterverkehr Entlassungen im fünfstellei-gen Bereich geplant seien. Im Hinblick auf die Region meinte Sauter: „Ohne Bahnreaktivierung funk-tioniert kein ÖPNV-Konzept im Zabergäu.“

Überraschend für viele im Saal gibt auch Thomas Ernesti der Stadtbahn einen festen Platz, wenn es um ein positives Verkehrskonzept für das Zabergäu geht. Zurzeit fahren hier 12 Busse seiner Firma und die sieht er auch fahren, wenn die Stadtbahn einmal da sein sollte. Ohne Busse gebe es keine Zubringer zur Bahntrasse, ohne sie könne kein integriertes Konzept erstellt werden. Aus dem Zabergäu heraus sei die Bahn deutlich attraktiver, schon allein wegen des Geschwindigkeitsvorteils. Vorerst aber sei der Busverkehr zu verbessern und er hofft, dass dies mit dem neuen Buskonzept erreicht werde. Der Landkreis gibt dafür eine halbe Million Euro zusätzlich aus. Seine Firma arbeite auch daran, die Busse attraktiver zu machen. So seien viele bereits auf Barrierefreiheit umgestellt, doch leider gelte das für so manche Haltestelle noch nicht. Mit vielen kleinen Maßnahmen, wie z.B. einem Vorrang für Busse an Ampeln oder eigenen Busspuren dort, um am ruhenden Verkehr vorbei-zurollen, könnten weitere Verbesserungen erreicht werden.

Die Fragen in der abschließenden Publikumsrunde beschäftigten sich weitgehend mit der Finanzie-rung der Zabergäubahn und dem richtigen Zeitpunkt für die Wirtschaftlichkeitsprüfung. Die, so sagte Jürgen Winkler als Fraktionsvorsitzender der Grünen im Kreistag, sei bereits beschlossen und werde im nächsten Jahr vom Landratsamt in Auftrag gegeben.

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